Jeder Bogen den ich baue, soll zwei grundlegende Anforderungen erfüllen: einen weichen Auszug und ein Schussverhalten, das es dem Schützen erleichtert, reproduzierbar gut zu treffen.

Ausgehend von der Bauform (Recurve, Langbogen, Reflexbogen usw.) ermittele ich zunächst auf Basis eines Bogens die Auszugskurve. Mit einem von mir selbst entwickelten Berechnungsmodell optimiere ich die Kurve dann auf die Abmessungen und das Material des geplanten Bogens.

Diese Auszugskurve soll verdeutlichen worauf es mir dabei ankommt:

Ein kurzer, sehr steiler Anstieg der Zuggewichtskurve in der ersten Phase ist die Grundlage für eine hohe Energiespeicherung des Bogens. Obwohl hier das Zuggewicht von Zoll zu Zoll überproportional steigt, wird dies nicht als unangenehm oder hart empfunden wenn diese Phase kurz ist.

Eine geringere Zuggewichtszunahme von Zoll zu Zoll im weiteren Auszug ist wichtig für die zweite Phase um einen weichen Auszug zu realisieren und, wie in dem Bild gezeigt, einen sanften Übergang zur dritten Phase zu gewährleisten. Wichtig ist hierbei, diese Phase so lang wie möglich zu machen.

In der letzten Phase des Auszuges darf kein überproportionaler Anstieg des Zuggewichts erfolgen. Dies wird als sehr unangenehm wahrgenommen und weithin als „Stacking“ bezeichnet. Im oben gezeigten Beispiel kann der Bogen bis 30 Zoll ausgezogen werden, ohne dass er „stackt“. Optimal für den Bogen und für den Schützen am angenehmsten ist allerdings ein Auszug von 27 bis 28 Zoll.

Das kann man sich in dem folgenden Auszugsvideo schön ansehen:

https://www.youtube.com/watch?v=vF34QWTUWr4

Der nächste Punkt der Betrachtung ist die Massenträgheit des Wurfarmes. Das Zuggewicht bzw. die Energiespeicherung des Bogens lässt sich einerseits über die Abmessungen wie Breite und Dicke umsetzen, aber auch durch eine Vorbiegung der Form. Bei größerer Breite und Dicke erhöht sich die Wurfarmmasse und somit die Trägheit. Also ist es besser, die Energiespeicherung, soweit es die Materialbelastbarkeit zulässt, durch die Formgebung zu beeinflussen. Es gilt hier, bei einem Minimum an Trägheit hohe Pfeilgeschwindigkeiten über einen weiten Bereich am Pfeilgewichten zu erreichen. Dieser Bereich erstreckt sich im genannten Beispiel von 213 fps bei 8 gpp bis zu 181 fps bei 13 gpp. Dies vereinfacht es dem Schützen, sein persönliches Setup zu finden, egal ob er nun leichten oder schweren Pfeilen den Vorzug gibt.

Mit diesen grundsätzlichen Dimensionen geht es an den Entwurf des Mittelteils. Um eine gewisse Baureihenkonformität zu erreichen, so dass für verschiedene Größen und Modelle gleiche Teile oder Vorrichtungen verwendet werden können, verwende ich hier eine CAD-Software.

Bei der Gestaltung des Mittelteils stehen sich leider zwei Punkte konträr entgegen, das nötige Gewicht und eine filigrane Anmutung. Für einen guten Bogen ist es wichtig, bei einem möglichst schweren Mittelteil die Masse so weit wie möglich nach außen, also in Richtung Wurfarmaufnahme, zu bringen. Eine hohe Gesamtmasse des Mittelteils ermöglicht einen ruhigen Schuss - hier ist Massenträgheit mal eher zuträglich. Eine Verteilung der Masse zur Wurfarmaufnahme hin hat einen ähnlichen Effekt wie die Balancierstange eines Hochseilartisten, beim Bogen stabilisiert sie die vertikale Achse.

Ich hoffe, Ihnen hier ein kleinen Einblick verschafft zu haben, wie meine Bögen entstehen. Wie es der Leitspruch guten Designs „form follows function“ fordert, baue ich Bögen nach funktionellen Gesichtspunkten.
Konstruktion, Auswahl der Materialien und Verarbeitung der Basismodelle meiner Bögen entsprechen allen Anforderungen an einen guten, schnellen und haltbaren Bogen. Aber natürlich erfülle ich Ihnen auch gern jeden realisierbaren Wunsch: Besondere Hölzer, andere Materialien, Zierverleimungen? Sollte kein Problem sein! Sprechen Sie mich einfach darauf an: Kontakt